Jan Brandt: Gegen die Welt
Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg
Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe
Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts
Inka Parei: Die Kältezentrale
Angelika Küssendorf: Das Mädchen
Antje Rávic Strubel: Sturz der Tage in die Nacht
Per Petterson: Ist schon in Ordnung
Roberto Alajmo: Es war der Sohn
Olga Tokarczuk: Der Gesang der Fledermäuse
demnächst geplant u.a.:
Jeffrey Eugenides: Die Liebeshandlung
Barbara Honigmann: Bilder von A.
Max Scharnigg: Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe
Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling
Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens
Suhrkamp 2011, 219 S.
Blumenberg hatte gerade eine neue Kassette zur Hand genommen, um sie in das Aufnahmegerät zu stecken, da blickte er von seinem Schreibtisch auf und sah ihn. Groß, gelb, atmend; unzweifelhaft ein Löwe. Der Löwe sah zu ihm her, ruhig sah er zu ihm her aus dem Liegen, denn der Löwe lag auf dem Bucharateppich, in geringem Abstand zur Wand.
Damit beginnt der Roman von Sibylle Lewitscharoffs »Blumenberg«. Blumenberg, damit ist Hans Blumenberg (1920-1996) gemeint, ein bedeutender deutscher Philosoph, der seit 1970 an der Universität in Münster gelehrt hat. Diesem Philosophen einen Löwen vor den Schreibtisch zu legen, paßt sehr gut zu Blumenbergs Werk und seinem Denken. Er ist katholisch getaufter »Halbjude« und kennt sich in christlichen und jüdischen Glaubensfragen ausgezeichnet aus. Darüber hinaus veröffentlichte er Werke mit Titeln wie »Arbeit am Mythos«, »Wirklichkeiten, in denen wir leben« oder »Höhlenausgänge«. Diese Titel, »Absolutismus der Wirklichkeit«, Stichworte, an die man sich im Roman erinnert fühlt, sie in irgendeiner Form wiederfindet. Auch mit dem Bild des Löwen hat er sich häufig beschäftigt, so daß sogar ein Buch mit diesem Titel erscheinen konnte. Der Löwe ist ein häufig gesehener Begleiter von Heiligen und wurde diesen oft beigegeben. Nun ist Blumenberg natürlich kein Heiliger, aber eine Geistesgröße in der Philosophie, zu seiner Zeit eine Koryphäe. Was im Buch passiert findet man bildlich vielfach dargestellt (z.B. auf einem von Blumenbergs Lieblingsbildern von Antonello da Messina), ich finde aber auch sehr passend in einem Stich von Albrecht Dürer (1515) »Der heilige Hieronymus im Gehäus«: so könnte man sich das in Blumenbergs Büro vorstellen.
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Suhrkamp 2011, 222 S.
»Setzen«, sagte Inge Lohmark, und die Klasse setzte sich. Sie sagte »Schlagen Sie das Buch auf Seite sieben auf«, und sie schlugen das Buch auf Seite sieben auf, und dann begannen sie...
Die Szene spielt irgendwo im hinteren Mecklenburg-Vorpommern, in einer Gegend, die von Abwanderung, Arbeitslosigkeit, Rückbau geprägt ist, an einem Gymnasium, dem die Kinder ausgehen und es ist beschlossene Sache, die Schule zu schließen. Inge Lohmark ist eine ältere Biologielehrerin in der 9. Klasse, noch 12 Schüler bleiben im letzten Jahrgang des Charles-Darwin-Gymnasiums. Ihr Lehrstil folgt nicht neuen modernen Prinzipien, sondern sie hält Frontalunterricht, Strenge und Disziplin sind selbstverständlich, ebenso wie unangekündigte Leistungskontrollen: eine Lehrerin vom »alten Schlag«. Die Angst der Schüler scheint sie gar zu genießen.
Auch Mitgefühl oder Sympathie mit Schülern darf es nicht geben:
»Tabea, sollten Sie auf dem Gymnasium bleiben wollen, prüfen Sie bitte in Zukunft, ob Sie wirklich etwas Substanzeiles zum Unterricht beizutragen haben.« Mitten ins Gesicht. »Und zwar bevor Sie den Mund aufmachen.« Immerhin war die jetzt mundtot.
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Rowohlt 2011, 426 S.
Alexander erfährt im Krankenhaus, daß er am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt ist - der Arzt möchte keine Prognose über die verbleibende Lebenszeit abgeben, aber immerhin »nicht operabel«. Daraufhin fährt er zu seinem Vater Kurt, der zu dieser Zeit, im Jahr 2001, stark an Demenz leidet mit all seinen Erscheinungen: was auch immer man ihn fragt, er kann im Grunde nur noch »Ja« sagen. Er kümmert sich um ihn, geht dann aber in Kurts Arbeitszimmer, sieht sich um und stöbert, um schließlich den Safe seines Vaters zu öffnen. Er nimmt einiges heraus, findet unter anderm sauber datierte Briefe: »Liebste Ira!« (1954), »Liebe, liebste Irina!« (1959), »Meine Sonne, mein Leben!« (1961) und noch einen von 1973. Außerdem nimmt er noch eine größere Summe Geldes aus dem Tresor. Geld, das Kurt eine zeitlang immer wieder am Geldautomat von seinem Konto abhob, aber nichts damit anzufangen wußte, einzig an die Geheimzahl und die Prozedur konnte er sich in letzter Zeit noch erinnern, das Geld landete im Tresor. Alexander wird es für seine Reise auf den Spuren seiner Großeltern nach Mexiko verwenden.
Eugen Ruge strukturiert seinen Roman, indem er immer wieder einzelne Szenen aus diesen verschiedenen Jahren beschreibt, angefangen 1952 bis in die Gegenwart. Die einzelnen Kapitel sind aus den verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder geschrieben, das ist das Besondere an diesem Buch, alle bekommen eine Stimme. Da sind die Großeltern Wilhelm und Charlotte, Stalinisten, Flucht vor den Nazis ins Moskauer Exil, um dann für die Partei nach Mexiko zu gehen. Das Jahr 1952 in Mexiko erfährt man aus Charlottes Sicht, sie werden wieder zurück gerufen, um den Sozialismus, die DDR aufzubauen. Kurt wurde im Exil geboren und ist in Moskau zurück geblieben...
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Schöffling & Co 2011, 216 S.
»Wir nannten den Raum die Kältezentrale. Er war groß, sechs mal vier Meter. Fenster gab es nur draußen im Korridor, unzählige kleine Vierecke, die sich über alle Stockwerke zogen. In meiner Erinnerung waren sie immer schmutzig. An zwei von drei Tagen stand der Dunst vom angrenzenden Heizkraftwerk über uns am Himmel. Niemandem wäre es gelungen, sie sauber zu halten.«
Dies ist der erste Absatz, mit dem das Buch von Inka Parei mit dem Titel »Die Kältezentrale« beginnt, und damit ist auch gleich der wesentliche Ort des Romans genannt. Das Cover zeigt die technische Zeichnung einer Maschine - Technik, Maschinen, Rohre, Gänge, kalte Betonräume oder Chemikalien, all das erinnert an eine Fabrik, an Arbeitsleben. Und das ist für mich ein dominierender Eindruck dieses Romans, ich möchte fast sagen, es ist ein Roman über Arbeit, unter anderem. Der Ich-Erzähler arbeitete als Kältetechniker in der Kältezentrale, die mitverantwortlich war für die Klimatisierung der Gebäude des »Neuen Deutschland«, nicht unbedingt so wichtig für die Redaktion, aber umso mehr für Druckerei und Papierlager, denn ohne das richtige Raumklima konnte auch die Produktion nicht funktionieren, der Druck wäre mißlungen. Ich habe den Text oben zitiert, weil dieses Gebäude, dieser Produktionsort einen so großen Raum einnimmt. Es herrscht durchgehend eine graue Stimmung, passend zu grauen, schmutzigen Industriegebäuden. Ein rauhes Klima, unter Arbeitern, definierte Rangordnung, Neue werden »gemobbt«, Rohre, enge Gänge, Dunkelheit, all das hat etwas Unheimliches, solche Stimmungen kann Inka Parei gut vermitteln. Angst und Beklemmung begleitet das Lesen. Und weil diese Arbeitswelt so viel Raum einnimmt, möchte ich eben fast von einem Arbeiterroman sprechen oder gar von einem Produktionsroman, im Hintergrund der Sozialismus, die DDR.
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Kiepenheuer & Witsch 2011, 183 S.
Der Titel paßt sehr gut, das Buch begleitet und beschreibt die Entwicklung eines 12-jährigen Mädchens bis etwa zum Ende der Schulzeit. Wie in anderen Erzählungen von Angelika Klüssendorf auch, lebt das Mädchen in verwahrlosten Familienverhältnissen, Betreuung, Förderung oder verläßliche Zuwendung kennt sie nicht. Und damit setzt das Buch auch ein »Das Mädchen ist zwölf Jahre alt, ihr Bruder Alex sechs, seit Tagen sind sie in der Wohnung eingeschlossen.« Der Mutter ist das ziemlich gleichgültig, die Kinder sind sich selbst überlassen, sie kennen es nicht anders. Immerhin entkommen sie so der Gewalt der Mutter, deren Zustände immer mal wieder wechseln von depressiver Zurückgezogenheit zu sadistischer Gewalt. Die Mutter kann tagelang im Bett liegen, und irgendwann »dann ist von einem Tag auf den anderen wieder alles beim Alten, mit einem eisigen Hauch öffnet sich die Schlafzimmertür, und die Mutter inspiziert mit wütender Kraft die Wohnung, reißt die Fenster auf, erteilt Befehle«, Interesse scheint die Mutter ihren Kindern keins entgegen zu bringen. In seltenen Fällen findet das Mädchen außerhalb der "Familie" Erwachsene, z.B. eine Blinde, die sich für sie interessiert, der gegenüber gaukelt sie dann gute Verhältnisse vor, erfindet »eine besorgter, liebende Mutter«. Doch »zu Hause erwartet sie eine Abreibung, eine, die sich gewaschen hat, denn ihre Mutter ist vor schlechter Laune außer sich. Sie erzählt ihr von der blinden Frau. Das interessiert mich einen Scheißdreck, schreit die Mutter, du mit deinen Lügen, und dann verteilt sie ihre Schläge wütend und unkontrolliert. Es macht keinen Unterschied, ob sie lügt oder die Wahrheit sagt, denn die Mutter ist sowiso entschlossen, die Wahrheit aus ihr herauszuprügeln. Doch sie beharrt auf ihrer Unschuld, kann sich nicht vorstellen, etwas angestellt zu haben, was solchen Zorn hervorruft...«
Die Mutter bringt wechselnde Männer mit nach Hause, darunter auch einmal ihren Vater, um es noch einmal miteinander zu probieren. Doch der schlägt seine Frau, »der Vater kniet über ihr und würgt sie, würgt die Mutter so sehr, bis ihre Augen hervortreten«. Sie hat diese Prügeleien schon oft erlebt, dies wird für sie zur Normalität, auch, es am eigenen Körper zu spüren. Der Vater schlägt die Mutter, diese die Tochter, und die dann schlägt ihren kleinen Bruder. Den Vater sieht sie selten nüchtern, sie taugt nur dazu losgeschickt zu werden, um einige Flaschen Bier zu kaufen, für Nachschub zu sorgen...
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S. Fischer 2011, 441 S.
»Es beginnt auf diesem Wasser, auf dem Weg zurück. Die Fähre dreht, und ich sehe mich noch einmal um. Ich versuche, mir einzuprägen, wo ich gewesen bin; die Kate, die Felswand, der Leuchtturm, die schwimmenden Pontons am Strand.«
So beginnt der neue Roman von Antje Strubel, auf einer Fähre von der Insel Stora Karlsö, einer winzigen schwedischen Naturschutzinsel, kurz vor Gotland. Erik ist ein 24jähriger Student, der reist und bis zum Beginn des nächsten Semesters Urlaub macht, sich treiben läßt. Er war zelten auf Gotland, wollte die Insel Stora Karlsö eigentlich nur für einen Tage besuchen, er lernt aber Ines kennen, von der er sich angezogen fühlt, so daß er sich im Leuchtturm in das Gästezimmer einmietet, erst für eine Nacht, für noch eine. Um nicht abreisen zu müssen, engagiert ihn Ines als Praktikant auf der Insel und teilt ihm Aufgaben zu. Ines ist gut 16 Jahre älter und Ornithologin, den Vögeln hat sie sich ganz und gar verschrieben, studiert Lummen bzw. Alke. Ansonsten lebt sie recht zurückgezogen auf der kargen Insel, hält sich die Menschen etwas auf Abstand und scheint etwas verschlossen, was ihre frühe Vergangenheit betrifft, spricht nicht so gerne darüber. Erik dagegen stellt sehr schnell fest, daß sie wohl beide aus der früheren DDR stammen, er ist ein Adoptivkind, über seine leiblichen Eltern weiß er nichts. Spätestens als man erfährt, daß Ines als Teenager schwanger war und vor der Wende ihr Kind zur Adoption freigegeben hat, ahnt man schon früh, was die beiden verbindet.
Diese erste Hälfte des Buches, wo sich die Liebesgeschichte langsam entwickelt, hat mir sehr gut gefallen - vorsichtig tasten sich die beiden vorwärts, skeptisch und doch sehnsüchtig, durchwoben ist alles von einem spannungsreichen Grundton...
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Hanser 2011, 218 S.
Dies ist nun das dritte Buch, das ich von Per Petterson lesen. Das, erste, ein ganz wundervolles Buch und nicht zu schlagen, war »Pferde stehlen« (2006), dann »Ich verfluche den Fluss der Zeit« (2009) und nun »Ist schon in Ordnung«. Und es ist wieder ein typischer Petterson, die Stimme klingt vertraut und er bleibt seinem Thema treu, die Beziehung zwischen Vater und Sohn, unter anderem, als wesentliches Thema jedoch eine Jugend in Norwegen in den 70er Jahren. Ein nachgeschobenes Werk, möchte man meinen, zuerst veröffentlicht 1992, doch ein starkes, sehr schönes Buch, es lohnt sich...
Auduns Sletten wächst nicht geade in einer Idylle auf. Sein Vater trinkt, verschwindet immer mal wieder und wenn er anwesend ist, zeigt er sadistische Züge und hat keine Hemmungen, Gewalt anzuwenden. Irgendwann verschwindet der Vater, die Mutter zieht in die Stadt und Audun kommt mit 13 in eine neue Schule. Damit beginnt der Roman. Er möchte gar nicht, daß seine Mutter ihn am ersten Schultag begleitet, er hat zunächst etwas einzelgängerisches, möchte bewußt Außenseiter sein, seine Sonnenbrille setzt er auch im Klassenzimmer nicht ab. Doch irgendwann trifft er auf Arvid und mit ihm entwickelt sich eine Jugendfreundschaft, mit dem er alle Themen, die einen Pubertierenden beschäftigen, besprechen kann. Da ist vor allem die Musik, sie diskutieren den Krieg in Vietnam und sie finden Zugang zur Literatur, lesen Bücher die Jungen eben toll finden, wie Jack London und sind begeistert.
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Hanser 2011, 252 S.
Der neue Roman von Roberto Alajmo spielt in Sizilien, genauer in der Kalsa in Palermo. Beim Blick auf die Karte war meine spontane Reaktion zunächst ein sehr romantisierender, eher touristischer Eindruck »Wie schön, direkt am Hafen...«, tatsächlich jedoch ist es ein sehr altes Viertel Palermos, das eher von Armut geprägt ist, auch wenn sich das wandelt.
Dort wohnt auch die Familie Ciraulo, Großeltern, Eltern, der Sohn Tancredi und noch andere Verwandte. Alajmos Roman beginnt damit, daß der Vater, Nicola Ciraulo, tot im Wohnzimmer liegt, gerade eben erst erschossen, sein 20-jähriger Sohn Tancredi, von dem er nie viel hielt und der eher auf der Verliererseite steht, keine Eigeninitiative oder Durchsetzungsvermögen, eher ein Muttersöhnchen, keine Arbeit und ganz von der Familie abhängnig, hat sich im Bad eingeschlossen und sitzt auf dem Klo, durch die Tür lauschend, was in der Wohnung gesprochen wird und vor sich geht. Er hört, wie seine Großmutter Anweisungen gibt und schon bald ist auch die Polizei im Haus. Doch er kommt nicht heraus, antwortet nicht, wartet ab, bis die Polizei mit Gewalt herein kommt und ihn abführt. All dies auf den ersten Seiten, die Fragen der Polizei zum Tathergang, das Gejammere der Mutter, und irgendwann auch der Hinweis der Großmutter, daß der Sohn den Vater erschossen habe - daher auch der Titel des Buches.
Tancredi schweigt auch in Haft beharrlich, er macht keine Anstalten, sich zu verteidigen. Bis zum Ende des Buches rollt Alajmo den eigentlichen Tathergang auf, wie es dazu kam, was die Hintergründe waren. Das Buch ist im Grunde eine Studie über das Funktionieren der »italienischen Familie«,...
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Schöffling & Co 2011, 346 S.
Fledermäuse im Titel, das Cover ein einsamer, düsterer Wald und im Buch verstreut holzschnittartige Illustrationen von Natureindrücken. Dies paßt zum Ort der Handlung des neuen Buches von Olga Takarczuk, nämlich der Glatzer Kessel, ein von Gebirgen umgebenes Gebiet in Niederschlesien und dort im südlichsten Zipfel, zwar noch Polen, doch direkt an der Grenze Tschechiens. In der Natur, weit weg von größerer Zivilisation, wohnt Janina Duszejko, die Ich-Erzählerung, in einer kleinen Siedlung einer Hochebene, die im harten Winter von den meisten der Bewohner verlassen ist. Im Grunde bleiben zu dieser Zeit nur drei Menschen zurück, Janina ist diejenige, die die verlassenen Anwesen im Blick behält, sich darum kümmert. Kontakt hat sie zu den anderen beiden kaum, sie meidet ihn, nur manchmal noch fährt sie in den nächsten Ort, früher arbeitete sie dort als Lehrerin. Sie ist gerne für sich, in der Abgeschiedenheit, die für sie gar nicht so einsam ist, denn sie hatte ihre zwei Mädchen, ihre Hunde, daneben liebt sie die Natur und vor allem die Tiere. Doch den ganzen Roman durchzieht eine Düsternis, die sich in der Gegend und der Natur spiegelt: »In den Tälern hinter dem Hochplateau lag dichte Finsternis...«
Eines Tages ist einer der Nachbarn tot, er liegt in seiner Hütte, scheinbar während des Essens an einem Rehknochen erstickt. »An jenem Unglücksabend hatte er sich ein gewildertes Reh zubereitet. Ehrlich gesagt habe ich nie diese Unterscheidung zwischen "Wildern" und "Jagen" begriffen. Das eine wie das andere ist Töten...«
Einige Zeit später findet man auch den Kommissar tot in einem Brunnen und noch weitere Todesfälle, einer merkwürdiger als der andere, es scheint eine Mordserie zu sein...
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